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by Moritz Beller

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Spam nervt (3)

Spam automatisch erkennen und löschen

Es gibt etliche Varianten, Spam automatisch auszusortieren und zu löschen. Diese lassen sich generell in zwei Sorten aufteilen:

  • Vom Mailanbieter bereitgestellte Spamschutzfunktionen

    Sie werden auf einem fremden Rechner im Internet mit angepasster, meist kommerzieller, proprietärer Software massenweise gefiltert. Es obliegt dem Benutzer, seinem Mailprovider und dessen Software zu trauen. Persönliche Einstellungen sind meistens nur schwer möglich und die Erkennungsmethoden oft nur rudimentär, wenngleich die Ergebnisse, je nach Dienst variierend, dafür erstaunlich gut sind. Die Verwaltung geschieht ausnahmslos über ein Web-Frontend, welches in das Webinterface des Anbieters eingegliedert wurde. Als Spam erkannte Mails werden meistens nicht sofort gelöscht, sondern in einem speziell für sie vorgesehenen Ablageordner für kurze Zeit zwischengespeichert. Da die Funktion auf fremden Servern durchgeführt wird, ist generell Missbrauch nicht auszuschließen, wenngleich auch unwahrscheinlich. Insbesondere aber ist die Verwaltung zeitaufwändig. Denn wer wirklich seine gefangenen Spammails auf so genannte "False-Positives" überprüft, muss auf die Usability des Designs einer Website vertrauen.

    Ein Urteil über gute Spam-Schützer kann man sich entweder selbst oder über die gängigen Quellen "c't" und "test" machen, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen beliebte deutsche Mailprovider, wie gmx.de oder web.de, testen. Der Basis-Spamschutz der beiden genannten scheint in der Tat ganz ordentliche Ergebnisse zu liefern, wie mir einige freiwillige Probanten berichteten. Für mehr Komfort und bessere Spamerkennung muss der genervtere Benutzer schnell in Bezahl-Clubs einsteigen oder monatliche Grundgebühren auf sich nehmen.

  • Spam-Schutzsoftware

    Wer sich nicht für die obere Lösung entscheiden will, dem bleibt nur der Griff zu einer Software für den eigenen PC. Hier gibt es eine unüberschaubare Anzahl unterschiedlicher Systeme, viele schlechte und wenige gute. Zuerst muss man sich entscheiden, unter welchem Betriebssystem man seine Mails in Zukunft abrufen willen, denn die Installation und Konfiguration einer gut funktionierenden Spamschutzsoftware braucht viel Zeit. Da ich (leider) bis jetzt noch nicht an einen Mac herangekommen bin, kann ich hier nur von meinen Erfahrungen mit Software auf Linux und Windows berichten. Es mag eine nahezu unendliche große Zahl an kommerziellen Angeboten geben, doch nur wenige davon sind wirklich empfehlenswert. (Der Symantecspamschutz, der mit dem so genannten "Internet Security Pack" geliefert wird, zum Beispiel ist eine reine Katastrophe.)

Für Linux sicherlich am sinnvollsten ist ein Programm, an das die zum Beispiel per fetchmail einkommenden Mails weitergeleitet werden können. So agiert das Programm unabhängig vom Mail-Client, deren Anzahl für Linux noch größer sein dürfte als die der Spamschutzprogramme. Bisher konnte ich nur eine Software für Linux zur Spamabwehr benutzen: SpamAssassin. Um es kurz zu machen: Das Ding arbeitet, nach kurzem Training, phantastisch. Nach der Installation hat man die Möglichkeit, die Bayes-Filter, welche nur einen Bruchteil der zur Verfügung stehenden Erkennungsmethoden repräsentieren, zu trainieren, indem man sie mit Mails füttert, von denen man weiß, dass sie entweder Spam oder Ham (Spam ist war zu Zeiten der Wirtschaftkrise um 1930 Abkürzung für "Spiced Ham", püriertes, nitriertes Schweinefleisch aus der Dose, Ham ist entsprechend besser schmeckender Schinken, firsch vom Metzger) zuzuordnen sind. Seit seiner Installation und den ersten Trainingseinheiten, was jetzt ungefähr einen Monat her ist, landete keine ungewünschte eMail mehr in meinem Postfach. Das ist schön, doch nach eigenhändigem Durchsehen der Datei "caughtspam" wurde es noch viel schöner: Keine False-Positives.

Ebenfalls überwiegend positive Erfahrungen konnte ich unter Windows mit Spamihilator machen. Vorteile sind hier die relativ (!) leichte Einrichtung und die vielen Zusatzfunktionen. Das Programm ist zwar mit Bayes-Filtern ausgestattet, kann aber in Sachen Spamerkennung und False-Positives bei weitem nicht mit SpamAssassin gleichziehen. Dafür erstellt es schöne Statistiken, die die früheren "Spam nervt"-Artikel schmückten.

Auch SpamPal für Windows ist einen näheren Blick wert. Es sieht zwar weder so schön wie Spamihilator aus, noch waren meine Test-Ergebnisse wahnsinnig berauschend, dennoch hat das Programm seine Stärken: Niedriger Performenceverbrauch und viele Plug-Ins. Außerdem macht es als einziges der aufgeführten Gebrauch von DNSBL-Listen. Wer darauf nicht verzichten mag, soll ruhig SpamPal ausprobieren und mir dann bitte seine Erfahrungen schildern, da ich es schon lange nicht mehr benutzt habe (und auch nicht mehr einsetzen werde) und die hier gemachte Aussage deshalb vielleicht veraltet ist.

Spam ist ekelig, nervig und längst verpönt. Es ist eine Krankheit des Internets, des Abgrundes, dominiert von zweifelhaften Personen. Wer Spam verschickt, macht sich in vielen Ländern einer Straftat schuldig. Trotzdem ist Spam ein alltägliches Problem. Immer noch, und immer mehr. In dieser monatlich erscheinenden Serie veröffentliche ich meine aktuelle Spamstatistik und gehe näher auf die Spamproblematik ein, zum Beispiel mit Berichten über Personen, die Spam verschicken.

Moritz Beller | Kategorie: Das Netz | 6. Februar 2004 | 21:35

3 Kommentar(e)

Kommentare

Servus Moritz,

netter Artikel - weist bereits in Ausführlichkeit und Sachlichkeit c`t Charakter auf. Fehlt nur noch die grau - graue Vergleichstabelle am Ende :)

Leider kann ich die Spam Filter seitens der eMail Provider nicht wirklich alle für gut heißen. Der Filter Web.de verhält sich etwas zu paranoid. Jede Mail, die von einem Absender stammt, der nicht im persönlichen Adressbuch steht, wird als "Unbekannt" und somit als "Vielleicht Spam" gewertet. Daraus folgt, dass ca. 50% meiner Mails in einen anderen Ordner verschoben wird, da sie entweder von Personen stammen mit denen ich bisher noch keinen eMail Kontakt hatte, oder von Wohlbekannten die ich aber in mein etwas steifmütterlich behandeltes Adressbuch bei Web.de noch nicht eingetragen habe.

Mir stellt sich hierbei die Frage, ob der Overhead an Administration den Nutzen eines providerseitigen Spamfilters deckt.

Auch die clientseitige Alternative lohnt sich für mich nicht wirklich. Zuhause rufe ich meine Mails an drei verschiedenen PCs ab und unter zwei verschiedenen Betriebssystemen - je nach dem was ich gerade am PC tun möchte. Die dauernde Synchronisierung ist mir da zu lästig.

Schade, dass es hier keine Rundumrestlosspamfreilösung gibt - so lange muss ich die unerwünschten Mails leider noch ertragen und löschen.

Wirklich wirkungsvoll gegen Spam ist meiner Ansicht nach nur der vorsichtige Umgang mit der eigenen eMail Adresse. Die Meinige habe ich seit 5 Jahren inne und bekomme täglich ca. 2 - 5 Spam Mails. Absoluter Rekord, wenn ich mich unter Kollegen umhöre.

Prävention statt Reaktion, ich glaube fast das wäre auch mal einen Artikel wert, meinst du nicht?

Gruß
Thomas

Thomas | 9. Februar 2004 | 23:39
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> netter Artikel - weist bereits in Ausführlichkeit und Sachlichkeit c`t Charakter auf.

Das *ist* aber ein dickes Lob. Danke.

> Prävention statt Reaktion, ich glaube fast das wäre auch mal einen Artikel wert, meinst du nicht?

Ja, sicherlich. Und den gibt's gleich das nächste Mal. Mit einem netten, kleinen Trick für Spiellustige. :)

Darfst gespannt sein.

Moritz Beller | 11. Februar 2004 | 19:43
4momo.de Trenner - Schreibmaschine

Hi Moritz,

Ich wollte nur anmerken, dass mittlerweile auch der Spamihilator DNSBL-Listen verwenden kann.

http://www.spamihilator.com/plugins/index.php?category=1&start=5&limit=5&detail=41

Viele Grüße

Gert

Gert | 5. November 2004 | 17:09
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